Ribeiro war den Bundesbehörden nicht gut genugSein Palmarès als Profifussballer genügte schlicht und einfach nicht: Gestern musste SC-Kriens-Spieler Ribeiro nach Brasilien abreisen.
Wazlaw Wachnek, Zaglebie Lubin, Polen: «Ribeiro war hier zu Testspielen. Einen Vertrag erhielt er aber keinen.»Als Profifussballer hatte Thiago Ribeiro in der Schweiz keine Chance. Nicht, weil der Brasilianer beim Challenge-League-Verein SC Kriens als Spieler nicht genügt hätte. Nein, Ribeiro scheiterte an den Spielregeln der Einwanderungsbehörden in Bern. Denn für Arbeitssuchende aus sogenannten Drittstaaten – weder EU- noch Efta-Mitglied – verlangt der Bund von den Einwanderern hohe berufliche Qualifikationen. Das gilt für Geologen ebenso wie für Ingenieure. Und für Fussballer heisst das: eine mindestens dreijährige solide Wettkampferfahrung auf internationalem Niveau. Das heisst, Meisterschaftserfahrungen in einer der obersten Ligen. Das tönt zwar alles nicht sehr griffig. Zumal nicht festgehalten wird, welche Ligen gemeint sind. Ein dreijähriges Engagement in Norwegens höchster Spielklasse würde demnach genügen. Zwei Jahre in Italiens renommierter Serie A hingegen nicht.
Es fehlte am GoodwillIm Fall von Ribeiro spielen diese Überlegungen aber überhaupt keine Rolle. Das sieht auch René Distel, Sportchef beim SC Kriens, so: «Seitens des Bundes wäre im Fall von Thiago sehr viel Goodwill nötig gewesen, damit er seine Profikarriere bei uns hätte fortsetzen können. Ich bedaure seinen Abgang. Einen gleichwertigen Spieler mit Schweizer Pass können wir uns in Kriens nicht leisten.»
Ribeiro gab sich zwar alle Mühe, seinen Werdegang als Fussballer möglichst vorteilhaft aussehen zu lassen. Bei näherem Betrachten lässt sich das Fazit ziehen: Ribeiros Lebenslauf wirkt beschönigend. Zu erwähnen ist dabei das Engagement beim belgischen Topligaverein Molenbeek. 2001/02 will Ribeiro dort gespielt haben. Molenbeek fusionierte vor acht Jahren mit Strombeek zum FC Brüssel. Dessen Sprecher, Jo De Rob, fand jedoch im Klubarchiv keinen Hinweis, dass Ribeiro je in der Meisterschaft für Molenbeek gekickt hätte. Bei einer weiteren Station in Ribeiros Karriere erinnert sich der Medienverantwortliche hingegen an ihn. Wazlaw Wachnek vom polnischen Verein Zaglebie Lubin: «Ribeiro war hier zu Testspielen. Einen Vertrag erhielt er aber keinen.»
Bereits einmal abgewiesenDass es mit Ribeiros Bleiben in der Schweiz nicht klappte, könnte auch damit zusammenhängen, dass er bereits vor vier Jahren auf dem Radar der Berner Einwanderungsbehörden auftauchte. 2006 versuchte der Zürcher Verein YF Juventus, für Ribeiro eine Aufenthaltsbewilligung zu erwirken. YF-Präsident Piero Bamert erinnert sich: «Bern lehnte aber ab.»
Nach seiner Ankunft in São Paulo wird sich Ribeiro dem Drittligisten Comercial anschliessen und dort trainieren, wie unsere Zeitung bereits berichtete. Ribeiro will aber mit Kriens in Kontakt bleiben und später in die Schweiz zurückkehren.
Thomas Heer, Kommentar Seite 35Quelle: Neue Luzerner Zeitung vom 07.03.2010
Kein Freipass für SpielervermittlerDas Bundesamt für Migration entschied: Der Leistungsträger des SC Kriens, Thiago Ribeiro, darf in der Schweiz nicht länger als Profisportler arbeiten. Gestern reiste er in sein Heimatland Brasilien zurück. Das ist ein harter Schlag für ihn, menschlich wie sportlich. Auch bei vielen Vereinsmitgliedern hinterlässt das Verdikt einen schalen Nachgeschmack, bei den Krienser Fans sowieso.
Bern hat aber richtig entschieden. Denn Brasilien ist kein Land des EU- oder Efta-Raumes. Will ein Südamerikaner in der Schweiz arbeiten, muss er hochqualifiziert sein. Die Einwanderungsbehörden fordern auch für arbeitswillige Spitzensportler einen gehobenen Qualitätsstandard. Für Fussballer heisst das: Der Spieler muss mindestens drei Jahre regelmässig in einer europäischen Spitzenliga zum Einsatz gekommen sein. Und diese Bedingung erfüllt Ribeiro nicht.
Über die Richtlinien des Bundes lässt sich diskutieren. Sie sind vage formuliert und sorgen nicht zwingend dafür, dass der gewünschte Qualitätslevel auch erreicht wird. Explizit heisst es etwa aus Bern, es spiele keine Rolle, in welchem Land ein Berufsspieler seine Erfahrung gesammelt hat.
Trotzdem muss der Bund Leitplanken setzen. Zum einen ist die Zahl der einwanderungswilligen Arbeitnehmer aus Drittländern an Kontingente geknüpft. Zum anderen ist es richtig, dass Bern dafür sorgen möchte, den Berufssportlern aus Afrika oder Südamerika möglichst lange und erfolgreiche Karrieren zu ermöglichen. Es kann nicht angehen, dass gewinnorientierte Spielervermittler mit zig drittklassigen Athleten aus Übersee dank Kurzaufenthalten den Reibach machen. Mit Spielern wohlgemerkt, die im bezahlten Fussball in der Schweiz alleweil noch genügen würden.
Hinweis: Den Artikel zur Ausweisung von Thiago Ribeiro finden Sie im Regionalteil.
Thomas Heerthomas.heer@neue-lz.chQuelle: Neue Luzerner Zeitung vom 07.03.2010